„Erst abnehmen, dann mit dem Rauchen aufhören“ – warum die Reihenfolge dich ausbremst

5. August 2026·6 min read

Ja, nach dem Rauchstopp nehmen viele im Schnitt 4–5 Kilo zu. Warum die Rechnung „erst abnehmen, dann aufhören“ trotzdem nach hinten losgeht – und was du tun kannst.

"Erst nehme ich ab, dann höre ich mit dem Rauchen auf."

Die Sorge, die in diesem Satz steckt, ist real. Ein Teil der Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, nimmt in den ersten Monaten zu – und gerade bei Frauen ist das einer der häufigsten Gründe, den Rauchstopp immer wieder zu verschieben.

Nur: Die Reihenfolge ist verdreht – und der Grund dafür ist ziemlich konkret.

Nimmt man nach dem Rauchstopp wirklich zu?

Ja, im Durchschnitt schon. In den ersten Monaten nach dem Rauchstopp wird häufig eine Gewichtszunahme von ein paar Kilo beobachtet; oft ist von 4–5 Kilo im Mittel die Rede. Manche nehmen gar nicht zu, manche mehr.

Die Ursachen sind gemischt:

Geschmack und Geruch kommen zurück. Nach rund 48 Stunden werden sie deutlich intensiver – und Essen schmeckt wirklich besser.

Die „Lücke im Mund“ will gefüllt werden. An die Stelle der Zigarette rückt Essen – genau dafür sind die kleinen Hilfsmittel gedacht.

Der Stoffwechsel wird etwas langsamer. Nikotin kurbelt den Stoffwechsel leicht an; wenn es wegfällt, verschwindet auch dieser Effekt.

⚠️ Und dann gibt es noch einen vierten, gern übersehenen Punkt: das, was du stattdessen in den Mund steckst. Zuckerhaltiger Kaugummi, Nüsse, Pfefferminzbonbons – alle drei gelten als „immer noch besser als rauchen“ und werden quasi ohne Limit gegessen. Vierzig zuckrige Kaugummis am Tag sind eine Kalorienladung, die im Alltag schnell untergeht. Ein Teil der Gewichtszunahme in den ersten Monaten kommt nicht vom eigentlichen Essen, sondern genau von hier.

Die Zahlen helfen bei der Einordnung: Der gemeldete Mittelwert von 4–5 Kilo ist real, aber im Vergleich zu der Luft und Ausdauer, die du im selben Zeitraum zurückgewinnst, fällt er klein aus. Und „Durchschnitt“ heißt nicht, dass es bei allen so kommt – manche nehmen gar nicht zu.

Warum ist die Reihenfolge verdreht?

Es gibt drei Gründe.

1. Der Rauchstopp macht Abnehmen überhaupt erst leichter. Atmung und Ausdauer verbessern sich nach zwei, drei Wochen spürbar – der Gewinn für Herz und Kreislauf kommt so schnell. Sport fällt also nach dem Aufhören leichter, nicht vorher.

2. „Erst abnehmen“ hat kein Enddatum. Bei wie vielen verlorenen Kilos darfst du aufhören zu rauchen? Ist die Zahl erreicht, taucht ein neues Ziel auf; wird sie verfehlt, wird weiter verschoben. Warten ohne Enddatum ist die Definition von Aufschieben.

3. Zwei harte Projekte gleichzeitig sind riskant. Diät und Rauchstopp verlangen beide Verzicht. Wenn beides parallel läuft, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eins von beiden kippt – und meistens ist es das Rauchen.

Gerade der dritte Punkt ist wichtig: Er ist der Teil, in dem das Argument „erst abnehmen“ sich selbst widerspricht. Ja, beides gleichzeitig ist keine gute Idee – aber wenn man trennen soll, was kommt zuerst?

Was zuerst? Ein fairer Vergleich

Schauen wir einmal ehrlich drauf:

Gewinn durch den Rauchstopp: weniger Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bessere Lungenfunktion, geringeres Krebsrisiko, besserer Geruchssinn, weniger Kosten, weg von der Abhängigkeit.

Preis von 4–5 Kilo mehr: aus Stoffwechsel-Sicht real, aber im Vergleich deutlich kleiner.

Die Linie der Fachstellen ist hier ziemlich klar: Der gesundheitliche Nutzen des Rauchstopps ist um ein Vielfaches größer als der Effekt einer möglichen Gewichtszunahme in den ersten Monaten. In Übersichtsarbeiten und Faktenblättern wird das u. a. von der Weltgesundheitsorganisation und den CDC so eingeordnet.

Die Reihenfolge lautet also: erst Rauchen, dann Kilo.

Drei Hebel, um die Gewichtszunahme zu begrenzen

Diese Punkte kannst du von Anfang an in deinen Plan einbauen:

1. Die Lücke im Mund nicht mit Essen füllen. Kaugummi, Wasser, zuckerfreie Pfefferminzbonbons, Zimtstangen. Die Liste „Was du dabeihaben solltest“ ist genau für diesen Zweck da.

⚠️ Zuckerhaltiger Kaugummi und Nüsse als Falle: Beides wird nach dem Motto „immer noch besser als Rauchen“ ohne Stopp gegessen – und ein Teil der Kilos kommt genau daher.

2. Spazierengehen fest einplanen. Fünfzehn Minuten am Tag reichen. Das füllt die Rauchverlangen-Lücken und stabilisiert nebenbei den Stoffwechsel. Wenn die Luft besser wird, verlängert sich die Strecke von allein.

3. Die Waage im ersten Monat ignorieren. In den ersten Tagen auf die Waage zu steigen, erzeugt unnötige Unruhe. In der Liste „Was du am ersten Tag nicht tun solltest“ stand dieser Punkt schon.

4. Frühstück und Mahlzeitenrhythmus nicht durcheinanderbringen. Gerade in den ersten Wochen sorgt Mahlzeiten auslassen nur dafür, dass der Hunger später größer wird – und abends nachgeholt wird. Drei regelmäßige Mahlzeiten sind hier kein Diätprogramm, sondern ein Stabilitätsanker.

5. Mehr trinken. Der erste Punkt auf der Liste der kleinen Hilfsmittel übernimmt hier einen zweiten Job: Wasser füllt die Lücke im Mund ohne Kalorien.

Und wenn ich wirklich zunehme – was dann?

Diese Frage wird selten gestellt – und genau deshalb wird das erste Kilo oft zum Grund, den Rauchstopp wieder zu kippen.

Die Antwort hängt von der Reihenfolge ab: Im ersten Monat gar nichts. Dieser Monat gehört komplett dem Thema Rauchen; ein zweites großes Ziel dazu zu packen, holt nur den dritten Punkt (zwei harte Projekte gleichzeitig) zurück.

Ab dem zweiten Monat haben sich die Bedingungen verändert: Die Luft ist besser, die Ausdauer ist gestiegen, deine Spaziergänge sind länger geworden. Die gleiche Diät lässt sich dann deutlich leichter umsetzen als mit Zigarette.

⚠️ In dieser Zeit nicht auf die Waage zu steigen, ist eine der hilfreichsten Regeln. In dem Moment, in dem eine Zahl erscheint, drängt sich ein zweites Ziel automatisch in den Vordergrund – und die Aufmerksamkeit wird geteilt.

Wenn du gerade schon versuchst abzunehmen

Dann ist der pragmatische Vorschlag: Diät lockern, Rauchstopp vorziehen.

Die ersten drei, vier Wochen das Abnehmziel parken und die freie Energie in den Rauchstopp stecken – so lässt sich der Fokus halten. Nach einem Monat kannst du zum zweiten Ziel zurückkehren – dann sind Atmung und Ausdauer meist ohnehin besser.

„Wenn ich zunehme, sehe ich schlechter aus“

Diese Sorge sollte man nicht kleinreden – aber die andere Seite gehört auch ins Bild.

Der Rauchstopp hat ebenfalls sichtbare Effekte, und zwar innerhalb weniger Wochen: Hautbild, Zahnfarbe, Geruch, Atmung. Im Text zum Rauchstopp in den 20ern geht es genau darum, warum das so starke Gründe sind.

Auf der Waage liegen also beide Seiten: Die eine wird in Zahlen gemessen, die andere nicht – sichtbar sind sie beide.

Wer sagt diesen Satz am häufigsten?

Das ist wichtig, weil sich der Rat je nach Gruppe etwas anders anfühlt.

Die Sorge wird bei Frauen deutlich häufiger ausgesprochen – und ja, der Druck rund um Aussehen und Sichtbarkeit ist real. Am Ergebnis ändert das aber nichts: Warten verbessert die Gewichtseite nicht – es verlängert nur die Rauchseite.

Die zweite Gruppe: Menschen, die schon einmal aufgehört haben und wegen der Kilos wieder angefangen haben. Hier ist die Sorge keine Vermutung, sondern eine Erfahrung – und sie verdient es, ernst genommen zu werden.

Die praktische Antwort für diese Gruppe: Beim letzten Mal gab es im Plan keinen Gewichts-Punkt. Die fünf Punkte oben (Lücke im Mund, Spaziergänge, Waage, Mahlzeitenrhythmus, Wasser) schließen genau diese Lücke. Auf die Frage „Was wird dieses Mal anders?“ liegt die Antwort in dieser Gruppe praktisch bereit.

⚠️ Und eine ehrliche Klarstellung: Diese fünf Punkte bringen die Gewichtszunahme nicht auf null, sie begrenzen sie. Wer ein perfektes Ergebnis erwartet und beim ersten Kilo aufgibt, landet meist am gleichen Punkt wie beim ersten Versuch.


Die Sorge ist echt, die Reihenfolge falsch. Der Rauchstopp macht Abnehmen leichter; umgekehrt funktioniert die Rechnung nicht.

Heute steht nur eine Sache auf der Liste: Lege das Abnehmziel für einen Monat zur Seite und schreib dein Rauchstopp-Datum auf.

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Next stop on the journey →Mit dem Rauchen aufhören: 10 Ausreden – und was wirklich dahintersteckt10 typische Sätze, mit denen du deinen Rauchstopp aufschiebst – wo sie stimmen, wo nicht, und welche Antwort dir wirklich hilft.

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